Autogenes Training

Was ist Autogenes Training

Der Psychiater Prof. Dr. Dr. Johannes Heinrich Schultz (1884—1970) entwickelte etwa um 1920 eine Entspannungsübung. Dabei baute er auf seinen Erfahrungen auf, die er in der Arbeit mit Hypnose machen konnte. Seine Patienten berichteten nach der Hypnose, dass sie sich ruhig und entspannt gefühlt hätten und wie angenehm schwer und warm ihr Körper gewesen sei.

Schultz gelangte zu der Überzeugung, dass man im Körper eine Umschaltung von Anspannung auf Entspannung erreichen könnte. Diese Entspannungsübungen nannte er „Autogenes Training“

Seit dieser Zeit haben sich viele Ärzte und Psychologen mit dem Autogenen Training beschäftigt. Es wurde jedoch nie modifiziert, das heißt es besteht heute noch weitestgehend so, wie Prof. Schultz es entwickelt hat. Es spricht für das Autogene Training, dass es beinahe 80 Jahre unverändert Bestand hat.

Das Autogene Training ist als Entspannungsform wissenschaftlich und medizinisch anerkannt. So kann man beispielsweise vor und während der Übung den Hautwiderstand oder den Blutdruck messen und anhand der unterschiedlichen Messergebnisse eine positive Veränderung nachweisen.

 

Begriffsbedeutung

Der Begriff autogen setzt sich aus den griechischen Wörtern autos = aus sich selbst heraus und genos = erzeugen zusammen. Autogen bedeutet demnach selbsterzeugend bzw. aus eigener Kraft heraus. Das Wort Training verdeutlicht die Vorgehensweise: durch ständiges Üben und Anwenden wirkt die Entspannungsmethode.

Autogenes Training ist also eine Entspannungsmethode, die durch regelmäßiges Anwenden aus sich selbst heraus wirksam ist.

 

Funktionsweise

Körper und Seele sollte man nicht getrennt voneinander betrachten, sondern bedenken, dass sie stets und ausnahmslos gemeinsam agieren und reagieren.

Hinweise für den Zusammenhang von Seele und Körper

  • Pupillenerweiterung bei Angst
  • Schweißausbrüche und Herzrasen bei Furcht
  • Magenschmerzen vor Prüfungen
  • Bluthochdruck bei Ärger
  • ...

All das sind äußere Zeichen einer inneren psychischen Situation. Unsere Gedanken werden auf der körperlichen Ebene sichtbar. Dies funktioniert nicht nur bei unangenehmen Gedanken. Stellen Sie sich einmal vor, was Sie jetzt gerne essen möchten. Sicherlich bemerken Sie, wie Ihnen das Wasser im Munde zusammenläuft!

Auf diese Weise wirkt auch das Autogene Training: Durch formelhafte Sätze beeinflussen wir unseren Körper.

 

Aufbau

Das Autogene Training beeinflusst unseren Organismus über das vegetative Nervensystem. Dies geschieht durch sechs Übungen:

  • die Schwereübung dient der Entspannung der Muskulatur
  • die Wärmeübung erweitert die Blutgefäße
  • die Atemübung lässt uns die Atmung bewusst erleben
  • die Herzübung sorgt für einen gleichmäßigen Herzschlag
  • die Sonnengeflechtsübung reguliert die Darmfunktion
  • die Stirnkühleübung grenzt die Entspannung auf den Körper ein, der Kopf bleibt wach und klar

Ergänzt werden die sechs Übungen durch die sogenannte Ruhetönung, die uns zu Beginn in die Entspannung hineinkommen lässt. Fortgeschrittene Anwender ergänzen den Ablauf durch einen formelhaften Vorsatz, den jeder nach seinen Bedürfnissen und Vorstellungen formuliert.

 

Anwendung

Das Anwendungsgebiet des Autogenen Trainings ist vielfältig. So wird es beispielsweise bei

  • Nervosität, Schlafstörungen
  • Kopfschmerzen, Verdauungsproblemen, Bluthochdruck
  • allergischen Reaktionen, Neurodermitis, Asthma
  • Konzentrationsstörungen, Schul– und Prüfungsangst
  • Steigerung körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit
  • Steigerung des Selbstwertgefühls
  • Unterstützung von Rauch– und Trinkentwöhnung

eingesetzt.